Elvis Presley

Elvis Aaron Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi; † 16. August 1977 in Memphis, Tennessee), häufig einfach nur „Elvis“ genannt, war ein US-amerikanischer Sänger, Musiker und Schauspieler, der als einer der wichtigsten Vertreter der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gilt. Wegen seiner Erfolge und seiner Ausstrahlung wird er auch als „King of Rock ’n’ Roll“ oder einfach als „King“ bezeichnet. Presley gilt mit wahrscheinlich über einer Milliarde verkauften Tonträgern als der erfolgreichste Solo-Künstler weltweit.

Er begann seine Karriere 1954 als einer der ersten Musiker der Rockabilly-Bewegung, einer Fusion von „weißer“ Country-Musik und „schwarzem“ Rhythm and Blues. Seinen Durchbruch hatte er 1956, als er zur kontrovers diskutierten Identifikationsfigur der Rock-’n’-Roll-Bewegung wurde. Für Furore sorgte er mit seinen ausgesprochen körperbetonten Bühnenauftritten in einer Zeit, in der dies noch nicht zum Standardrepertoire von Live-Entertainern gehörte. Presleys Markenzeichen waren seine markante, annähernd drei Oktaven umfassende Stimme und sein innovativer, emotionsgeladener Gesangsstil, mit denen er in unterschiedlichen Genres wie Rock, Pop, Country, Gospel und Blues erfolgreich war.

Presley wurde bis 1978 vierzehn Mal für den Grammy nominiert, den er drei Mal für seine Gospelinterpretationen gewann. Im Alter von 36 Jahren wurde er als bis dahin jüngster Künstler mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Presley ist neben Michael Jackson als einziger Künstler in fünf Halls of Fame vertreten: Rock ’n’ Roll, Rockabilly, Country, Blues und Gospel. Ferner wurden sechs seiner Songinterpretationen als historisch besonders bedeutsam in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. Laut der Recording Industry Association of America (RIAA) hat er zudem mit 167 Einheiten die meisten Gold- und Platin-Auszeichnungen sowie einen Diamond-Award (Stand: Dezember 2011). Die RIAA zeichnete ihn wiederholt als „Best Selling Solo Artist in U.S. History“ aus.

In den amerikanischen Billboard-Charts erreichte Presley mit 15 Alben und 16 Extended Plays den ersten Platz. Er ist der einzige Musiker in der US-amerikanischen Chartgeschichte mit Nummer-eins-Hits sowohl in Billboards Pop- (18) als auch Country- (11), Rhythm-&-Blues- (6) sowie Adult-Contemporary-Charts (7) vertreten und führt bis heute Billboards „Liste der 500 erfolgreichsten Künstler ab 1955“ an.

Zwischen 1956 und 1969 wirkte Presley zudem in 31 Spielfilmen mit. 1970 und 1972 erschienen zwei Dokumentarfilme über ihn; Elvis on Tour wurde mit einem Golden Globe Award als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Biografie

Kindheit und Jugend (1935–1953)

Elvis Aaron Presley wurde am 8. Januar 1935 in East Tupelo, Mississippi, als Sohn des Landarbeiters Vernon Elvis Presley (* 10. April 1916; † 26. Juni 1979) und der Textilarbeiterin Gladys Love Presley (geb. Smith; * 25. April 1912; † 14. August 1958) geboren. Sein Zwillingsbruder Jesse (Jessie) Garon kam tot zur Welt. Die Vorfahren Presleys waren überwiegend westeuropäischer Herkunft: väterlicherseits stammte er von deutschen oder schottischen Einwanderern, mütterlicherseits von schottisch-irischen und französischen Ahnen ab; eine Ururgroßmutter war Cherokee.

Frühe musikalische Einflüsse in Tupelo

Elvis Presley wuchs als geliebtes und behütetes Einzelkind auf. Eltern und Sohn bildeten einen ungewöhnlich engen Familienverbund, soziale Kontakte spielten sich in erster Linie im Kreis der Familie und der unmittelbaren Nachbarschaft ab. Für teure Freizeitaktivitäten war kein Geld da, nur wenige Leute besaßen ein Radio, um das man sich in Gruppen scharte, um vor allem die Country-Stars der Grand Ole Opry zu hören. Oft sorgten die Presleys für ihre eigene Unterhaltung, indem sie mit Freunden Gospels sangen, in die ihr Sohn schon als Kleinkind einstimmte.

Ein Onkel von Gladys Presley war Prediger in der Assembly of God Church, welche die Presleys regelmäßig besuchten und in der Musik eine große Rolle spielte. Hier sang Elvis Presley schon früh im Chor. Auf das Gesangstalent des ansonsten durchschnittlichen und schüchternen Schülers wurde eine Grundschullehrerin aufmerksam, auf deren Initiative hin der Zehnjährige 1945 anlässlich der Mississippi-Alabama Fair and Dairy Show in Tupelo an einem Radio-Talentwettbewerb teilnahm. Nach diesem Auftritt, bei dem er mit seinem a-cappella-Gesang den fünften Platz belegte, bekam er von seinen Eltern die erste Gitarre geschenkt.

Etwa zu derselben Zeit fand Presleys Leidenschaft für Musik weitere Nahrung in seiner Bewunderung für den Country-Musiker Carvel Lee Ausborn. Dieser hatte es als „Mississippi Slim“ mit einem eigenen Programm beim örtlichen Radiosender WELO zu lokaler Berühmtheit gebracht. Presley konnte sein musikalisches Vorbild dazu bringen, ihn in der Talentshow seiner Radiosendung singen zu lassen und ihm Gitarrenunterricht zu geben.

1946/47 zogen die Presleys innerhalb Tupelos mehrfach um, da sie die Hypothek für ihr Haus und die Miete für folgende Unterkünfte nicht regelmäßig zahlen konnten. So wohnte die Familie trotz strenger Rassentrennungsgesetze zeitweise in einem Stadtviertel Tupelos, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft viele Afroamerikaner lebten. In dieser Zeit freundete Presley sich mit einem dunkelhäutigen Nachbarsjungen an, mit dem er – begeistert von der Gospelmusik – regelmäßig afroamerikanische Gottesdienste besuchte, um dort mitzusingen. Heimliche Ausflüge in die Vergnügungsviertel der schwarzen Bevölkerung Tupelos weckten zudem seine Faszination für den Blues.

Neuanfang in Memphis

In der Hoffnung auf eine wirtschaftlich bessere Zukunft zogen die Presleys 1948 von Tupelo nach Memphis, Tennessee. Sie lebten dort zunächst erneut in verschiedenen Pensionen, bis sie die Berechtigung erhielten, ein Apartment in den Lauderdale Courts zu beziehen, einem Viertel des sozialen Wohnungsbaus in der Innenstadt von Memphis, speziell errichtet für Weiße mit niedrigem Einkommen. Memphis hatte zu dieser Zeit eine sehr lebendige lokale Radioszene, in der „weiße“ und „schwarze“ Radioprogramme nebeneinander existierten.

In seinem vorletzten Schuljahr an der Humes High School in Memphis begann Presley sich äußerlich zu verändern, indem er auffällige Kleidung im Stil der Afroamerikaner und lange Haare mit Koteletten trug. Zudem begeisterte er sich zunehmend für die Gospelquartette der Blackwood Brothers und der Statesmen. Besonders die Statesmen hatten es ihm angetan, die durch ihren emotionalen Gesangsstil, eine mitreißende Bühnenshow und den charismatischen Leadsänger Jake Hess auffielen. Auch ging Presley in dieser Zeit regelmäßig zu den „All Night Gospel Singings“, und sonntags konnte man ihn mit anderen weißen Teenagern in der East Trigg Baptist Church von Reverend William Brewster auf der Empore – getrennt von den schwarzen Gemeindemitgliedern – finden, wo er dem lebhaften Black Gospel lauschte.

Der junge Presley begeisterte sich nicht nur für Gospel-Quartette, Blues und Country (z. B. Sonny James oder Roy Acuff), sein vielseitiges musikalisches Interesse galt auch Künstlern wie den Ink Spots, Perry Como, Dean Martin, Mario Lanza, Roy Hamilton und Klassik der Metropolitan Opera. Kurz bevor Elvis Presley im Juni 1953 seinen High-School-Abschluss machte, nahm er an einem Talentwettbewerb seiner Schule teil, bei dem er mit seiner Gesangsdarbietung den 1. Platz belegte.

Die Anfänge bei Sun Records (1953–1955)

Unmittelbar nach Erhalt seines High-School-Diploms nahm Presley einen Job bei einem kleinen Maschinenreparaturservice in Memphis an. Mit dem ersten Gehalt in der Tasche führte ihn sein Weg im Juni 1953 zu Sam Phillips Memphis Recording Service, einem professionellen Aufnahmestudio, wo jeder Kunde für einige Dollar eine eigene Platte aufnehmen konnte. Studioinhaber Sam Phillips hatte sich 1950 an der Union Avenue in Memphis niedergelassen und betrieb in den Räumlichkeiten auch sein Plattenlabel Sun Records, unter dem er erfolgreich vornehmlich schwarze R&B-Musiker wie Howlin’ Wolf, B. B. King, Junior Parker und Joe Hill Louis vermarktete.

Bei Presleys erstem Besuch in Phillips’ Aufnahmestudio traf er zunächst nur auf dessen Assistentin, der er erzählte, er wolle eine Platte als Geschenk für seine Mutter aufnehmen. Marion Keisker war von der gesanglichen Intensität der aufgenommenen Balladen My Happiness und That’s When Your Heartache Begins beeindruckt und notierte sich Namen sowie Adresse des jungen Künstlers. Bei einer Auktion am 8. Januar 2015 anlässlich des 80. Geburtstages von Presley erzielte ein Original dieser Schallplatte einen Preis von 300.000 US-Dollar. Ende 1953 nahm Elvis einen neuen Job als LKW-Fahrer bei der Firma Crown Electric an, für die er Material zu Baustellen fuhr, auf denen er auch den dort arbeitenden Elektrikern zur Hand ging. In seiner Freizeit verdiente er sich mit Live-Auftritten auf Partys von Schülern und Collegestudenten im Raum Memphis etwas dazu.

Die Entstehung des Rockabilly-Sounds

Im Januar 1954 machte Presley sich zu seinem zweiten Besuch bei Sun auf. Diesmal traf er Sam Phillips an und nahm – wieder auf eigene Kosten – die beiden Country-Songs I’ll Never Stand In Your Way und It Wouldn’t Be The Same Without You auf. Auch Phillips war beeindruckt und begann, den jungen Sänger zu fördern. Anfang Juli 1954 kam es dann zur ersten richtigen Aufnahmesession Presleys mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black, die zu dieser Zeit versuchten, sich mit ihrer eigenen Band – den Starlite Wranglers – einen Namen zu machen. Während dieser Session versuchte sich das Trio zunächst an einer ganzen Reihe von Country-Songs, ohne dabei einen eigenen Stil zu entwickeln. Erst als Presley in einer Pause Arthur „Big Boy“ Crudups Bluesnummer That’s All Right anstimmte, sie völlig neu interpretierte, war ein neuer Sound geboren. That’s All Right gilt als erster Rockabilly-Titel der Geschichte, wobei Rockabilly als Fusion von „schwarzem“ Rhythm & Blues und „weißem“ Country eine Spielart des Rock ’n’ Roll ist.

Sam Phillips eilte mit der Aufnahme zu Dewey Phillips, der – kein Verwandter von ihm – einer der bekanntesten Discjockeys in den Südstaaten war und in Zeiten der Rassentrennung in einem eigentlich „weißen“ Radiosender in Memphis mit großem Erfolg Platten farbiger Musiker auflegte. Die Hörerreaktionen auf That’s All Right Mama kamen umgehend; es ging eine Flut von Anrufen und Telegrammen begeisterter Hörer ein, die dazu führten, dass Dewey Phillips die Platte in derselben Sendung mehrfach wiederholte.

Nach dem Erfolg von That’s All Right musste schnell eine B-Seite für eine Single produziert werden. Die Wahl fiel auf eine Neuinterpretation von Bill Monroes Blue Moon of Kentucky, den das Trio durch Änderung von Takt und Geschwindigkeit in ein temperamentvolles Rockabilly-Stück verwandelte. Bis zum 19. Juli 1954, dem Tag, an dem That’s All Right und Blue Moon of Kentucky offiziell als A- und B-Seite der Single Nr. 209 bei Sun Records veröffentlicht wurden, waren bereits 6000 Bestellungen eingegangen. Ende August 1954 stieg die Sun-Single 209 in die regionalen Billboard-Charts ein, woraufhin RCA Records in New York City ebenso auf den aufstrebenden Sänger und das Label aus Memphis aufmerksam wurde wie Jim Denny, geschäftsführender Gesellschafter der Grand Ole Opry mit Kontakten zu Decca Records, ferner Ahmet Ertegun und Jerry Wexler von Atlantic Records.

Bei Sun Records entstanden 1954/55 weitere bis heute sehr bekannte Aufnahmen Presleys, darunter I Don’t Care If the Sun Don’t Shine, Baby Let’s Play House, Good Rockin’ Tonight, Mystery Train, I Forgot to Remember to Forget sowie das erst 1956 auf dem Album Elvis Presley veröffentlichte Blue Moon. Auch die Charterfolge blieben nicht aus. Nachdem Presley mit einer ganzen Reihe seiner Songs schon die Spitze der regionalen Country & Western-Charts in Memphis erklommen hatte, konnte er nun auch in den nationalen Billboard-Country-Charts überzeugen.

The Hillbilly Cat & The Blue Moon Boys

Ihren ersten gemeinsamen Live-Auftritt vor größerem Publikum hatten Elvis Presley, Scotty Moore und Bill Black am 30. Juli 1954 bei einem Open-Air-Konzert in Memphis’ Amphitheater Overton Park. Auf Presleys dynamisch-erotische Bühnen-Performance, vor allem seine rhythmischen Hüft- und Beinbewegungen, reagierte das Publikum hier erstmals mit für damalige Verhältnisse ungewöhnlich lautstarker Begeisterung bis hin zu tumultartigen Szenen. Nach diesem ersten durchschlagenden Live-Erfolg begannen Presley, Moore und Black, regelmäßig in Clubs in und um Memphis zu spielen, wo sie schnell zu einer Underground-Sensation avancierten. Doch ein Auftritt Presleys Anfang Oktober in der Grand Ole Opry in Nashville erntete nur eine lauwarme Reaktion des älteren, eher auf konservative Country-Entertainer eingestellten Publikums. Dagegen waren Folgeauftritte beim Louisiana Hayride in Shreveport, dem innovativeren Rivalen der „Opry“, ein voller Erfolg, der in einen Jahresvertrag mündete.

Parallel dazu tourten The Hillbilly Cat und die Blue Moon Boys, bestehend aus Scotty Moore, Bill Black und dem neu hinzugekommenen Drummer D. J. Fontana mit Presley durch die Südstaaten. Die Musiker traten unter anderem mit Hank Snow, Bill Haley, Johnny Cash, der Carter Family, Pat Boone und Buddy Holly in Shows auf. Zunehmend stahl Presley auf diesen Tourneen nicht nur anderen Nachwuchstalenten die Show, sondern auch etablierten Country-Künstlern wie Hank Snow, und schaffte sich eine Fangemeinde, zu der bald auch der junge Roy Orbison gehörte. Durch die intensive Tourtätigkeit von Presley und seinen Blue Moon Boys verbreitete sich der Rockabilly in den Südstaaten der USA und viele Musiker begannen, den Stil zu kopieren.

Im November 1955 gab Sam Phillips dem Werben von RCA Records nach und verkaufte seinen Vertrag mit dem 20-jährigen Elvis Presley für die damals unerhört hohe Summe von 40.000 Dollar. Damit machte er den Weg frei für Presleys überregionale und schließlich internationale Karriere bei einem großen Plattenlabel.

The King of Rock ’n’ Roll (1956–1959)

Presleys Wechsel vom regionalen Sun- zum nationalen RCA-Label Ende 1955 hatte der gebürtige Niederländer Colonel Tom Parker eingefädelt. Dieser war ab den 1940er-Jahren als Promotor und Manager von Country-Stars wie Eddy Arnold und Hank Snow, mit dem er zudem die Künstleragentur Jamboree Attractions/Hank Snow Enterprises betrieb, sehr erfolgreich geworden. Nach Übernahme des Managements von Presley war Parker bis 1977 exklusiv für diesen tätig. Presley und sein Manager praktizierten von Anfang an eine konsequente Arbeitsaufteilung, bei der Parker sich ausschließlich auf die finanziellen und Presley sich auf die künstlerischen Belange konzentrierte.

Erste Plattenaufnahmen bei RCA

Die erste Aufnahmesession, die im Januar 1956 in den RCA Studios in Nashville stattfand, bescherte dem jungen Künstler nach anfänglichen Zweifeln seines neuen Labels gleich mehrere Hits, darunter den Song Heartbreak Hotel, der im Frühjahr 1956 Platz eins sowohl der Pop- als auch der Country-Charts erreichte und zugleich Presleys erste Goldene Schallplatte wurde. Auch die erste LP Elvis Presley, auf der Songs aus der Sun-Zeit mit den neuen RCA-Aufnahmen kombiniert wurden, erreichte nur wenige Wochen nach Erscheinen die Nummer eins der Billboard-LP-Charts und wurde das erste Millionen-Dollar-Album in der Geschichte von RCA. Zudem arbeitete Presley bei dieser Session erstmals erfolgreich mit Gordon Stoker vom Gesangsquartett The Jordanaires, eine Zusammenarbeit, die in den nächsten 15 Jahren noch viele Hits hervorbringen sollte.

Mit der Aufnahmesession vom Juli 1956, aus der die Hit-Single Hound Dog / Don’t Be Cruel hervorging, übernahm Presley endgültig die Leitung seiner Studioaufnahmen, was er seine gesamte weitere Karriere hindurch beibehielt, ohne je in irgendeiner Form als Produzent genannt zu werden. Presleys Version von Hound Dog schrieb Musikgeschichte, weil sie sich gleichzeitig sowohl in den amerikanischen Pop- als auch den Rhythm-and-Blues- sowie den Country-Musik-Charts als Nummer eins platzieren konnte und einer der ersten sehr erfolgreichen Crossovertitel der US-Chartgeschichte wurde. 1957 gelangen ihm mit All Shook Up, Teddy Bear und Jailhouse Rock drei weitere Crossover-Charttopper – nur einige Höhepunkte einer Serie von Charterfolgen Presleys, der in dieser Zeit auch international immer erfolgreicher wurde.

Durchbruch mit Live-Auftritten im Fernsehen

Zwischen Januar 1956 und 1957 hatte Presley eine Reihe von Fernsehauftritten in verschiedenen, in den USA damals sehr beliebten Varieté-Sendungen, die ihn schlagartig national und international bekannt machten. Zu den Shows, in denen er auftrat, gehörten die Stage Show von Jimmy und Tommy Dorsey, die Milton Berle-Show, die neu gegründete Show von Steve Allen und schließlich die Nummer eins der Varieté-Sendungen, die Show von Ed Sullivan. Bei einem Auftritt bei Milton Berle am 5. Juni 1956, bei dem er Hound Dog spielte, machte Presley während eines langsameren Blues-Teils vor dem Mikrofon besonders rhythmische Hüft- und Beinbewegungen. Es folgte ein nationaler Medienaufruhr ungeahnten Ausmaßes, Presley wurde von nun an als „Personifikation der die Teenager Amerikas verderbenden Rock-’n’-Roll-Bewegung“ gebrandmarkt. Der Auftritt wurde mehr oder minder deutlich als Striptease auf offener Bühne interpretiert.

Elternverbände, religiöse Gruppierungen sowie Lehrerorganisationen liefen Sturm gegen den Musiker aus den Südstaaten. Die hitzige Kontroverse führte dazu, dass sich weitere Fernsehshows um „Elvis the Pelvis“ („Elvis, das Becken“) rissen, die ihn dann zensierten, indem sie ihn – wie in einer der Ed-Sullivan-Shows – nur noch von der Hüfte aufwärts filmten. Der internationale Erfolg Presleys bescherte ihm neben dem Titel des „King of Rock ’n’ Roll“ aufgrund seiner charakteristischen Frisur in einigen englischsprachigen südafrikanischen Staaten wie Kenia, Namibia und Südafrika auch den Beinamen „The Singing Quiff“ („Die singende Tolle“).

Wenn das Musikgenre Rock ’n’ Roll auch zu diesem Zeitpunkt – wie Presley selbst bestätigte – schon einige Zeit in verschiedenen Ausprägungen existierte, so waren es doch vor allem Presleys Fernsehauftritte und Charterfolge in den Jahren 1956 und 1957, die ihn zur Leitfigur einer ganzen Teenagergeneration werden ließen. Presley brachte den Rock ’n’ Roll, der an den Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft zu rütteln schien, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Sowohl die Musik als auch der Sänger wurden für eine breite Palette von Dingen verantwortlich gemacht, die als gesellschaftliche Missstände empfunden wurden: abweichende Moral- sowie kulturelle Wertvorstellungen, Rassenvermischung, Jugendkriminalität und Gottlosigkeit.

Eroberung der Kinoleinwand

Durch einen der ersten Fernsehauftritte Presleys wurde Anfang 1956 der Filmproduzent Hal B. Wallis auf den jungen Mann aus Memphis aufmerksam. Auf der Suche nach einem Nachwuchstalent, das vor allem die jüngere Zielgruppe ins Kino locken sollte, war er von der charismatischen Erscheinung Presleys begeistert. Probeaufnahmen und Verhandlungen, die im Frühjahr 1956 stattfanden, resultierten schnell in einem Vertrag über mehrere Filme. Zwischen 1956 und 1958 entstanden die Spielfilme Love Me Tender, Loving You, Jailhouse Rock – Rhythmus hinter Gittern und Mein Leben ist der Rhythmus – King Creole. Vor allem Jailhouse Rock wird von Filmhistorikern heute als Klassiker seines Genres bewertet, der 2004 in das amerikanische National Film Registry für kulturell, historisch und ästhetisch bedeutende Filme aufgenommen wurde. Die zentrale Gesangs-/Tanzszene mit dem Titelsong vom bekannten Songschreiber-Duo Jerry Leiber und Mike Stoller gilt zudem als Urform des Rock-/Popvideos. Die Soundtrack-EPs von Loving You, Jailhouse Rock und King Creole landeten alle drei auf Platz eins der entsprechenden Charts in den USA. 1957 führte Presley 21 Wochen lang die amerikanischen Singlecharts an, eine Steigerung gegenüber 1956 mit 18 Wochen.

Parallel zu Filmaufnahmen, Studio- und Soundtrackalben war Presley in diesen Jahren auch immer wieder auf Tournee, spielte vor ausverkauftem Haus und wurde wegen der heftigen Reaktionen seiner Fans von Polizeieskorten zu seinen Auftritten begleitet. Um das aufgeregte Publikum davon abzuhalten, nach Presleys Auftritten die Bühne zu stürmen, entstand in dieser Zeit das zum geflügelten Wort gewordene „Elvis has left the building“.

G.I. Presley

Ende 1957 erhielt Presley seinen offiziellen Einberufungsbescheid zum Militärdienst, den er mit den Worten kommentierte: „[It is a] duty I got to fill and I’m going to do it“ („Es ist eine Pflicht, die ich zu erfüllen gedenke“). Mehrere militärische Einheiten machten Angebote, um den Jungstar für die Eigenwerbung einzusetzen. Es wurde angenommen, dass Presley, wie viele andere Berühmtheiten vor ihm, zumindest den Weg in die Special Services wählen würde, bei dem nicht ein normales Soldatenleben, sondern der komfortablere Sondereinsatz in Sachen Unterhaltung der G.I.-Kollegen auf ihn gewartet hätte. Trotz großer Befürchtungen, dass eine zweijährige Abwesenheit von Aufnahme-, Filmstudio und Bühne negative Folgen für seine Karriere haben könnte, entschied er sich für das normale Soldatenleben. Die Nachteile dieser Entscheidung münzten sein Manager und die Plattenfirma RCA durch gezielte PR sowie Singleveröffentlichungen während seiner Abwesenheit in einen Vorteil um, so dass der ehemalige Bürgerschreck aus Memphis von immer größeren Teilen des amerikanischen Publikums anerkannt wurde.

Seine Grundausbildung absolvierte Presley ab Frühjahr 1958 in Fort Hood in Texas – er wurde für den Einsatz in einem Panzerbataillon ausgebildet. Am 14. August 1958 starb Presleys Mutter, die schon einige Zeit bei schlechter Gesundheit gewesen war, im Alter von 46 Jahren an Herzversagen. Presley, der ein sehr enges Verhältnis zu seinen Eltern, besonders aber zu seiner Mutter hatte, war am Boden zerstört. Wenig später trat Presley von New York aus per Truppentransporter die Überfahrt nach Deutschland an. Nach seiner Ankunft in Bremerhaven diente er vom 1. Oktober 1958 bis zum 2. März 1960 im 1st Medium Tank Battalion/32nd Armor der 3. US-Panzerdivision in Friedberg. In Deutschland wohnte er zunächst im Hotel Grunewald in Bad Nauheim, bevor er mit seinem Vater und seiner Großmutter sowie zwei Freunden im selben Ort ein Privathaus in der Goethestraße 14 anmietete. Soldaten, die Presley während seiner Zeit in der Armee persönlich kennenlernten, beschrieben ihn als fähigen, sehr umgänglichen, trotz seines Ruhms bodenständig gebliebenen und großzügigen Zeitgenossen. Die Militärkarriere von Presley wird als erfolgreich bezeichnet – er zeigte Führungsqualitäten, wurde mehrfach befördert, seine Dienstakte enthielt eine Reihe von Belobigungen, und er verließ die Armee nach zwei Jahren mit dem Dienstgrad eines Sergeant.

In privater Hinsicht war seine Zeit in der Armee auf dreifache Weise bedeutsam. Presley entdeckte seine Liebe zum Karatesport, den er sein weiteres Leben hindurch mit viel Engagement betrieb. Verschiedenen Quellen zufolge kam er bei der Armee auch erstmals in Kontakt mit Amphetaminen, die an Soldaten ausgegeben wurden, um unter anderem auf Manövern länger durchzuhalten. Im September 1959 lernte er zudem auf einer seiner Partys in der Goethestraße seine spätere Ehefrau Priscilla Beaulieu kennen.

Hollywood (1960–1968)

Als Presley Anfang März 1960 nach anderthalb Jahren Wehrdienst in Deutschland erstmals wieder amerikanischen Boden betrat, hatte sich die Musiklandschaft beträchtlich verändert. Viele seiner ehemaligen Chart-Mitstreiter aus der Rock-’n’-Roll-Ära hatten ihre Erfolgsserie nicht aufrechterhalten können. Zudem bevorzugte eine neu herangewachsene Hörerzielgruppe statt harter Rock-’n’-Roll-Rhythmen den leichtgängigeren Popsound von Bobby Darin oder Frankie Avalon. Die generelle Entwicklung vom Rock ’n’ Roll zu einem rockigen Popsound eröffnete Presley zunächst neue künstlerische Möglichkeiten, denn er wollte sich neben seiner Schauspielkarriere vor allem langfristig als Sänger etablieren und fühlte sich in den unterschiedlichsten Genres zu Hause.

Zwischen 1960 und Anfang 1969 drehte Presley 27 Filme – meistens Musikkomödien – und zu beinahe jedem der Filme erschien ein Soundtrackalbum. Der Schwerpunkt seiner Arbeit in den sogenannten Hollywoodjahren lag auf Filmproduktionen und Studioarbeit. Presleys Auftritt in Frank Sinatras Timex TV Show Ende März 1960 war sein letzter Fernsehauftritt bis 1968, und nach seinem Benefizkonzert Ende März 1961 in der Bloch Arena in Honolulu gab er erst ab 1969 wieder Konzerte.

Studio-Highlights Anfang der 1960er Jahre

Ende März 1960 fand in Studio B von RCA in Nashville Presleys erste Aufnahmesession seit Juni 1958 statt. Schnell war allen Anwesenden klar, dass er nichts von seinen Fähigkeiten verloren, seine Stimme vielmehr an Reife und Umfang gewonnen hatte. Der zeitgemäße rockige Pop-Song Stuck on You wurde ein Millionenhit und erreichte in den Pop-Charts schnell Platz eins. Die zweite Aufnahmesession Anfang April 1960 knüpfte an den Erfolg der ersten an. Neben einer Reihe neuer zeitgemäßer Kompositionen aus dem Portfolio seiner Musikverlage wählte Presley Fever und den Blues Reconsider Baby mit einem markanten Saxophon-Solo von Boots Randolph. Neuland betrat Presley mit dem fast opernhaften It’s Now or Never, das auf dem alten italienischen Volkslied ’O sole mio basiert. Die vielseitige Session brachte einen weiteren Klassiker hervor, nämlich das Liebeslied Are You Lonesome Tonight, die einzige Aufnahme in Presleys Karriere, die auf eine Anregung seines Managers Colonel Tom Parker zurückging und ihm drei Grammy-Nominierungen einbrachte. Sowohl It’s Now or Never als auch Are You Lonesome Tonight wurden Nummer-eins-Hits in den Pop-Charts sowie Top-Ten-Hits in den R&B-Charts. Zu Presleys erfolgreichem Comeback passte auch der Name des 1960 erschienenen Albums Elvis Is Back, das Platz zwei der Pop-Album-Charts in den USA erreichte.

Weitere erfolgreiche Studio-Alben folgten 1961 mit Something for Everybody und 1962 mit Pot Luck, und auch das Gospel-Album His Hand in Mine aus dem Jahr 1960 erwies sich langfristig als Erfolg. Zu der Serie von Hitsingles, die sich zwischen 1960 und 1963 in den Top Five der amerikanischen Pop-, R&B- und den neu gegründeten Adult-Contemporary-Charts platzieren konnten, zählen Surrender, I Feel So Bad, Marie Is the Name of His Latest Flame, Can’t Help Falling in Love, Little Sister, Good Luck Charm, Follow That Dream, She’s Not You, Return to Sender und You’re the Devil in Disguise. Einige dieser Lieder wurden zudem große internationale Hits.

Soundtrackalben gegen Studioalben

Presleys Schauspielkarriere hingegen entwickelte sich in diesen Jahren anders, als er sich dies nach dem vielversprechenden Start vor seiner Armeezeit erhofft hatte. Schnell wurde klar, dass Filme, die Presley in einer dramatischen Rolle mit wenigen Gesangseinlagen zeigten – beispielsweise der Western Flaming Star (1960) und das Melodram Wild in the Country (1961) – an der Kinokasse weniger erfolgreich waren als Musikkomödien im Stile von Café Europa – G.I. Blues und Blue Hawaii. Vor allem Blue Hawaii war kommerziell sehr erfolgreich und legte Elvis Presley für Jahre auf das Genre der Teenager-Musikkomödie fest, in der er meist einen charmanten und vor allem singenden Sonnyboy an einem möglichst exotischen Urlaubsort, umgeben von vielen hübschen Mädchen, darstellte. Das Soundtrack-Album mit 14 Songs – bekannt ist bis heute vor allem Can’t Help Falling in Love – platzierte sich auf Platz eins der Albumcharts und war das bestverkaufte Elvis-Album zu seinen Lebzeiten. Weitere bekannte Musikkomödien in diesem Stil waren Girls! Girls! Girls! (1962), Fun in Acapulco (1963) mit Ursula Andress sowie Viva Las Vegas (1964) mit Ann-Margret.

Die enge Koppelung seiner Karriere als Musiker an ein bestimmtes Filmgenre führte für Presley Mitte der 1960er Jahre in eine künstlerische Sackgasse. Zwar waren die anspruchsvollen Studioalben, die er zwischen 1960 und 1963 herausbrachte, gut in den Hitparaden positioniert und auch kommerziell erfolgreich, aber sie waren nicht so erfolgreich wie die Soundtrackalben der Musikfilme. Die Soundtrackalben und die entsprechenden Singles erhielten wesentlich größere Aufmerksamkeit durch den jeweiligen Film – ihr Erfolg führte zu immer mehr Filmen, immer mehr Soundtrackalben und 1964 schließlich zum vorläufigen Verzicht auf neue Studioaufnahmen.

Musikalische Neuorientierung ab 1965 und Heirat

Mitte der 1960er-Jahre war die Musiklandschaft ein weiteres Mal im Umbruch. Die British Invasion unter der Führung der Beatles hatte endgültig die USA erreicht. Zwar war Presley nach wie vor mit seinen Liedern kontinuierlich in den Hitparaden präsent, vor allem hoch in den Adult Contemporary Charts, die musikalischen Trends setzten jedoch zunehmend andere. 1965 war das Jahr, in dem die Beatles Presley in seinem Haus am Perugia Way in Los Angeles besuchten. Zu diesem geheimen Treffen waren keine Reporter und Fotografen zugelassen. Paul McCartney riet Elvis, statt seiner mittelmäßigen Filme doch neue Songs herauszubringen. 1965 beschloss Elvis nach eigener Aussage, seiner Karriere eine neue Wendung zu geben.

Diese Entscheidung resultierte 1966 in der Aufnahme des Gospelalbums How Great Thou Art in Nashville, für das Elvis Presley 1967 seinen ersten Grammy erhielt. Künstlerischer Höhepunkt des Albums ist der von Presley selbst arrangierte Titelsong, in dem er alle vier Gesangsparts des Gospelquartett-Klassikers übernahm und damit sowohl seine gesanglichen Ambitionen als auch seine Liebe zur Gospelmusik dokumentierte. Während dieser Session nahm Presley auch Bob Dylans Tomorrow Is a Long Time auf, eine Interpretation, die Dylan nach eigener Aussage besonders schätzte. Presleys musikalische Neuorientierung fand – trotz der anhaltenden vertraglichen Verpflichtung zu weiteren Soundtrackalben – im August 1967 eine Fortsetzung in den so genannten „Guitar Man Sessions“ in RCAs Studio B in Nashville, in denen er neben Jerry Reeds Songs Guitar Man und Big Boss Man auch den Gospel-Klassiker You’ll Never Walk Alone aufnahm, bei dem er auch Klavier spielte.

1967/68 kam es sowohl privat als auch auf musikalischer und geschäftlicher Ebene zu einer Reihe weiterer Veränderungen. Am 1. Mai 1967 heiratete Presley in Las Vegas Priscilla Ann Beaulieu, die er Ende 1959 in Deutschland kennengelernt hatte und mit der er seit Frühjahr 1963 zusammenlebte. Das einzige gemeinsame Kind Lisa Marie Presley kam am 1. Februar 1968 in Memphis zur Welt. Ab Januar 1967 trat zwischen Presley und seinem Manager zudem eine Vertragsergänzung in Kraft, die beide in stärkerem Maße als zuvor zu Geschäftspartnern machte.

Comeback: TV-Special ELVIS

Ende 1967 begann Presleys Manager Colonel Parker erste Verhandlungen mit dem Fernsehsender NBC über den ersten Fernsehauftritt Presleys seit 1960. Geplant war zunächst ein reines Weihnachts-Special. Im Frühjahr 1968 wurden die Planungen konkreter, als zum einen der Nähmaschinenhersteller Singer als Sponsor gewonnen werden konnte und zum anderen NBC ein junges und erfolgreiches Produzententeam für das Special vorschlug: Bones Howe und Steve Binder.

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Produzententeam und Presley resultierte in einer Fernsehshow, die nichts mehr mit einem Weihnachts-Special zu tun hatte. Sie bot einen Mix der alten Rock-’n’-Roll-Klassiker wie Heartbreak Hotel, Jailhouse Rock und That’s All Right Mama, die Presley mit gereifter Stimme kraftvoll neu interpretierte, Balladen wie Love Me Tender, Are You Lonesome Tonight und Liedern jüngeren Datums wie Guitar Man, das zusammen mit Trouble aus dem Film King Creole den dynamischen Showöffner darstellte, ferner Memories und If I Can Dream, die Presley speziell für das Special auf den Leib geschrieben wurden.

Das TV-Special ELVIS erreichte am 3. Dezember 1968 einen Zuschaueranteil von 42 Prozent, den höchsten einer NBC-Show dieses Jahres. Die Show wurde von Kritik und Publikum mit Erstaunen aufgenommen, denn niemand hatte zu diesem Zeitpunkt noch damit gerechnet, dass Presley sich so fulminant als Entertainer zurückmelden würde. Auch in den Charts machte sich der Erfolg sofort bemerkbar. Das Album zur Sendung erreichte Platz acht der Billboard-Pop-Charts und dokumentierte ebenfalls, dass Presley zurück im Musikgeschäft war.

Die Konzertjahre (1969–1977)

Die 1970er-Jahre standen ganz im Zeichen von Live-Auftritten. Presley gab vom Sommer 1969 bis zu seinem Tod im August 1977 über 1100 Konzerte, von denen über 800 Auftritte im International Hotel, dem heutigen Westgate Las Vegas Resort & Casino, in Las Vegas stattfanden. Presleys bekanntestes Konzert Aloha from Hawaii gab er im Januar 1973 in Honolulu. Es war das erste in zahlreichen Ländern der Welt per Satellit live ausgestrahlte Konzert eines Soloentertainers und machte ihn endgültig zum internationalen Superstar.

In den 1970ern erschienen ferner die beiden Konzertdokumentationen Elvis – That’s the Way It Is (1970) und Elvis on Tour (1972). Zusätzlich veröffentlichte Presley eine ganze Reihe Studioalben, in denen er Rock, Pop, Country, Gospel, Blues und Show-Nummern im Las-Vegas-Stil darbot. In dieser Phase seiner Karriere entwickelte er das Bild einer Bühnenpersönlichkeit, das bis heute fest mit seiner Person verbunden ist: der Entertainer im Jumpsuit.

Aufnahmen im American Sound Studio 1969

Im Januar 1969 entschloss sich Presley, erstmals seit 1955 wieder in seinem Wohnort Memphis aufzunehmen. Hier hatte sich inzwischen neben dem bekannten R&B-Studio Stax das American Sound Studio von Chips Moman einen Namen gemacht. Dort produzierte der Gitarrist und Songschreiber Moman – er hatte zuvor erfolgreich für das Stax-Label gearbeitet – reihenweise Hits für eine Vielzahl auswärtiger Plattenlabel, unter anderem mit Künstlern wie Dusty Springfield und Neil Diamond.

Das Ergebnis der Sessions im American Studio war eine vielseitige Palette an Presley-Songs, die vom zeitgenössischen Soul bis zu Country-Standards reichte – darunter solche, die Elemente aus Rock, Blues und Country so einsetzten, dass sie keinem speziellen Genre zuzuordnen waren. Zu den über 30 in den American Studios aufgenommenen Liedern, die als Singles oder auf den Alben From Elvis in Memphis und From Memphis to Vegas/From Vegas to Memphis (beide 1969, Letzteres ein Doppelalbum) erschienen, gehörten unter anderem Long Black Limousine, Don’t Cry Daddy, Wearin’ That Loved on Look, Kentucky Rain, From a Jack to a King, Rubberneckin, Stranger in My Own Hometown, Any Day Now, After Loving You, Power of My Love und Gentle on My Mind. Die absoluten Höhepunkte dieser Sessions waren jedoch In the Ghetto – zu Lebzeiten Presleys einziger Nummer-eins-Hit in den deutschen Charts – und Suspicious Minds, das später mit fünf weiteren Presley-Songs in die NARAS Hall of Fame für Aufnahmen von besonderer Qualität und historischer Bedeutung aufgenommen wurde.

In the Ghetto erreichte 1969 in den USA Platz drei der Pop-Charts und Platz zwei der Country-Charts, Suspicious Minds setzte sich an die Spitze der Pop-Charts und Don’t Cry Daddy belegte Platz sechs der Pop- und Platz 13 der Country-Charts. Kentucky Rain erreichte Platz 16 in den Pop- und Platz 31 in den Country-Charts. Die beiden Alben From Elvis in Memphis und From Memphis to Vegas/From Vegas to Memphis kamen beide unter die Top Five der Country-Alben-Charts sowie unter die Top 15 der Pop-Charts.

King of Las Vegas

Nach dem Erfolg des TV-Specials ELVIS (1968) machte das Management des in Las Vegas neu gebauten „International Hotel“ Presley das Angebot, seine Rückkehr zu Live-Auftritten dort einzuleiten. Das International hatte damals mit 2000 Sitzplätzen den größten Veranstaltungssaal der Stadt. Für dieses Engagement stellte Presley eine komplett neue Band zusammen, bestehend aus Gitarrist James Burton, Bassist Jerry Scheff, Schlagzeuger Ronnie Tutt, Rhythmus-Gitarrist John Wilkinson sowie Pianist Larry Muhoberac, der später durch Glen D. Hardin ersetzt wurde. Die Band, die Presley selbst als das Herzstück seiner Show bezeichnete, wird heute oft als „TCB-Band“ bezeichnet, wobei TCB für Presleys Lebensmotto „Taking care of business in a flash“ („Kümmere dich drum – blitzschnell“) steht. Zusätzlich engagierte Presley das weiße Männer-Gospelquartett The Imperials und eine Gruppe schwarzer Soulsängerinnen, die Sweet Inspirations. Ergänzt wurde dieses vielseitige Ensemble durch das hauseigene Orchester des International Hotels unter der Leitung von Bobbie Morris und später Joe Guercio sowie durch die Sopranistin Millie Kirkham, deren Platz später Kathy Westmoreland einnahm.

Unterstützt von seinem Musikerfreund Charlie Hodge stellte Presley ein Programm zusammen, das eine Mischung aus alten und neuen Elvis-Hits, aber auch Titel anderer zeitgenössischer Interpreten vorsah. Aus dem ersten Las-Vegas-Engagement Presleys stammt auch die in Deutschland erst nach seinem Tod bekannt gewordene „Lach-Version“ des Klassikers Are You Lonesome Tonight. Zuschauer bei der Premiere am 31. Juli 1969 waren neben vielen internationalen Pressevertretern Stars wie Cary Grant, Petula Clark, George Hamilton, Fats Domino, Shirley Bassey, Henry Mancini und Sammy Davis, Jr. Gekleidet in ein zweiteiliges schwarzes, an einen Karate-Gi angelehntes Outfit hatte Presley sein Publikum fest im Griff, nicht nur mit seinen Liedern, sondern auch mit seiner energetischen Bühnenshow, deren Karateeinlagen ein fester Bestandteil seiner Auftritte wurden. Die Reaktionen von Publikum und Presse ließen keinen Zweifel daran, dass die Premiere und das folgende vierwöchige Engagement ein uneingeschränkter Erfolg waren.

Nach diesem erfolgreichen Einstand wurde zwischen dem International Hotel und Presleys Management ein Fünfjahresvertrag ausgehandelt, der Presley eine Million US-Dollar pro Engagement zugestand, wobei ein Engagement im Winter und eins im Sommer zum Standard wurden. Der Vertrag garantierte die Rekordsumme von acht Millionen US-Dollar bis einschließlich 1973, wurde mehrfach ergänzt und bestand auch weiter, als das Hotel von der Hilton-Gruppe übernommen wurde. Presleys Shows waren stets ausverkauft und zogen ein neues Publikum nach Las Vegas, da Fans aus aller Welt anreisten, um ihn live zu sehen. Sein letztes Engagement in Las Vegas absolvierte Presley am 12. Dezember 1976, insgesamt gab er zwischen 1969 und 1977 635 Konzerte in der Spielerstadt. Weniger bekannt als die Verbindung zu Las Vegas ist, dass Presley zwischen 1971 und 1976 auch regelmäßig die Attraktion im Sahara Tahoe Hotel am Lake Tahoe in Nevada war, wo er ebenfalls Zuschauerrekorde brach.

Die Elvis-Presley-Show auf Tournee

Im Anschluss an sein zweites Las-Vegas-Engagement im Februar 1970 gab Elvis Presley sechs Konzerte im Houston Astrodome in Texas, mit denen er erneut Zuschauerrekorde brach und die den Auftakt zu einem Tourneemarathon durch die Vereinigten Staaten bildeten, der bis zu seinem Tod im August 1977 nicht abriss. Einen guten Einblick in eine solche Tournee der frühen siebziger Jahre gibt die MGM-Konzertdokumentation Elvis on Tour von Robert Abel und Pierre Adige aus dem Jahr 1972. Der Film, für den Presley den Filmemachern eines seiner seltenen Interviews gab, in dem er zumindest einen kurzen Blick auf den „Mann hinter dem Image“ gewährt, spielte innerhalb weniger Tage seine Kosten wieder ein, erreicht Platz 13 in Varietys Top 50 und erhielt einen Golden Globe Award für die beste Dokumentation.

Es folgten im Juni 1972 vier Konzerte im Madison Square Garden in New York; die Karten waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Konzerte sollen auch Kollegen wie Bob Dylan, Paul Simon, George Harrison und David Bowie besucht haben. Die als kritisch bekannte New Yorker Presse druckte enthusiastische Konzertbesprechungen; die New York Times beschrieb Presley als „Prince from Another Planet“ – „Talents Richly Intact“, die Daily News sprach von einer Presley-Invasion.

Zum Zeitpunkt der Konzerte im Madison Square Garden im Juni 1972 stand der Rahmenablauf einer typischen Elvis-Presley-Show der siebziger Jahre bereits fest. Er sollte sich in den folgenden Jahren nicht mehr wesentlich verändern, auch wenn immer wieder Lieder ausgetauscht wurden. Die Performance bestimmter Songs an bestimmten Stellen des Konzerts nahm zunehmend rituellen Charakter an. Die Elvis Presley Show beinhaltete keinerlei Tanzeinlagen oder aufwändige Effekte, sondern wurde ganz von Presleys Persönlichkeit und seiner Performance – gestützt durch die Backgroundmusiker – getragen. Zugaben wurden nicht gewährt, die Vorgruppe stellte meist ein Komiker gefolgt von Interpretationen der Backgroundsänger, häufig der Soulgruppe Sweet Inspirations. Elvis Presleys typisches Bühnenkostüm in dieser Zeit war der Jumpsuit, ein maßgeschneiderter, häufig weißer Einteiler mit hohem Kragen, tiefen V-Aufschnitt, weit ausgestellten Beinen, komplettiert durch einen breiten Gürtel und zwischen 1971 und 1973 zudem ein Cape.

Die Elvis-Presley-Show war nie außerhalb der USA auf Tournee – eine Welttournee erschien unter anderem angesichts der um die 80 Mann starken Bühnentruppe, notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und der Abneigung des Entertainers, in Freiluftstadien aufzutreten, die ihm nicht den optimalen Sound garantierten, Anfang der 1970er-Jahre kaum rentabel durchführbar. Um Presley dennoch weltweit auftreten zu lassen, konzipierte man das TV-Special Aloha from Hawaii, das am 14. Januar 1973 in der International Convention Center Arena in Honolulu als erstes Konzert eines Solo-Entertainers per Satellit nahezu rund um den Erdball ausgestrahlt wurde. Die Einnahmen der Show wurden dem „Kui Lee Krebsfond“ in Honolulu gestiftet. Erst am 4. April 1973 war das Special auch in den USA zu sehen; dort erreichte es eine Einschaltquote von über 50 Prozent. Insgesamt sollen über eine Milliarde Menschen in über 40 Ländern Aloha from Hawaii verfolgt haben. Das Konzert erschien auf dem Doppel-Album Aloha From Hawaii Via Satellite, erreichte in den USA Platz eins sowohl der Pop- als auch der Country-Charts und war auch im Ausland erfolgreich.

In den Jahren danach war Presley neben seinen Engagements in Las Vegas sowie Lake Tahoe weiterhin beinahe ständig auf Tournee durch die USA, bei zunehmend schlechter Gesundheit. Zu den Glanzlichtern dieser Jahre zählte eine Reihe von Konzerten in seiner Heimatstadt Memphis im März 1974, verewigt auf dem Live-Album Elvis as Recorded Live on Stage in Memphis, das Rang zwei in den Country- und Rang 33 in den Pop-Charts erreichte. Für die dort enthaltene Interpretation von How Great Thou Art erhielt er seinen dritten Grammy. Weitere Höhepunkte waren das Silvesterkonzert im Silverdome in Pontiac am 31. Dezember 1975 vor der Rekordzahl von über 60.000 Zuschauern und das im Civic Center in Pittsburgh genau ein Jahr später. 1977 wurde bei zwei Konzerten das CBS-TV-Special Elvis in Concert gefilmt, das erst nach Presleys Tod gesendet wurde und das seinen schlechten Gesundheitszustand erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor Augen führte.

Sein letztes Konzert gab Elvis Presley am 26. Juni 1977 in der Market Square Arena in Indianapolis. Am Tag seines Todes, dem 16. August 1977, wollte er sich auf den Weg zu einer weiteren Tournee machen, die in Portland, Maine hätte beginnen sollen. Für 1978 sollen zudem mehrere Konzerte in Europa, unter anderem in London geplant gewesen sein.

Aufnahmesessions 1970–1976

1970 entschloss sich Presley, erneut in Nashville im Studio B aufzunehmen. Es entstanden in fünf Tagen 34 Songs, die zwischen 1970 und 1972 auf vier verschiedenen Alben erschienen: That’s The Way It Is (1970), Elvis Country (1971), Love Letters From Elvis (1971) und Elvis Now (1972). Als A-Seiten auf Singles erschienen aus dieser Aufnahmesession, die auch als „Nashville-Marathon“ bezeichnet wird, unter anderem You Don’t Have to Say You Love Me, I Really Don’t Want to Know, Life sowie I’ve Lost You, die sich in den Pop-, Country- und Adult-Contemporary-Charts platzieren konnten. Das Album Elvis Country erreichte Rang sechs in den Country- und Platz zwölf in den Pop-Charts, Love Letters from Elvis kam auf Platz 12 bzw. 33. Nicht aus dieser Session stammte The Wonder Of You, Presleys erste Live-Single, die 1970 in den USA Rang eins der Adult-Contemporary-Charts und Platz neun der Pop-Charts erreichte.

1971/72 war Presley wieder im Studio und nahm unter anderem in Nashville und in Hollywood Songs für das Gospelalbum He Touched Me auf, für das er 1973 einen weiteren Grammy erhielt. 1972 entstanden ferner im RCA-Studio in Hollywood Separate Ways und Burning Love, beide erreichten hohe Platzierungen in den Pop- und Adult-Contemporary-Charts.

Trotz seines weltweiten Erfolgs durch Aloha From Hawaii und zwei Tophits in den Charts war 1973 ein schwieriges Jahr für Presley. Anfang 1972 hatte sich seine Frau Priscilla von ihm getrennt; der Scheidungstermin stand im Oktober 1973 an. Zudem machten sich verstärkt gesundheitliche Probleme bemerkbar. Wegen dieser Rahmenbedingungen und aus Zeitgründen entschloss man sich im Sommer 1973, wieder in Memphis aufzunehmen, allerdings nicht in Chip Momans American Sound Studio, sondern beim bekannten Stax-Studio. Dort haperte es an der technischen Ausstattung, so dass Presley die Aufnahmen zunächst nicht zu Ende brachte. Bevor die Aufnahmesession bei Stax fortgesetzt werden konnte, wurde Presley Mitte November 1973 in lebensbedrohlichem Zustand in das Baptist Memorial Krankenhaus in Memphis eingeliefert. Als Diagnose hatte man zunächst Herzinsuffizienz angenommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass sich Presley aufgrund seiner Rückenbeschwerden bei einem kalifornischen Arzt einer mehrwöchigen Behandlung unterzogen hatte, bei der ihm hohe Dosen Cortison und Demerol gespritzt worden waren. Dies hatte nicht nur zu einem stark aufgedunsenen Äußeren und Atembeschwerden, sondern auch zu Abhängigkeit geführt. Neben der nötigen Entgiftung wurde er auch wegen eines Megakolons, Hepatitis, eines potenziellen Magengeschwürs und chronischer Schlafstörungen behandelt, unter denen er ebenso litt wie an dem sogenannten Morbus-Reiter-Syndrom.

Die Behandlung durch eine Reihe von Spezialisten führte zu einer recht schnellen, wenn auch nicht vollständigen Genesung und Erholungsphase. Die Aufnahmesession bei Stax konnte bereits ab dem 10. Dezember 1973 unter technisch besseren Voraussetzungen fortgesetzt werden. Die Aufnahmen vom Sommer 1973 erschienen auf dem Album Raised on Rock (1973), die von der Wintersession 1973 auf den Alben Good Times (1974, Platz fünf der Country-Charts) und Promised Land (1975, Platz eins der Country-Charts). In den Single-Charts erfolgreich waren If You Talk in Your Sleep, die Ballade It’s Midnight, Promised Land, I’ve Got a Thing About You Baby und My Boy, das auch im Ausland sehr erfolgreich war.

1975 war Presley erneut zurück im Studio – diesmal wieder in RCAs Studio C in Hollywood, wo er im März eine ganze Reihe von Titeln, darunter das dynamische T-R-O-U-B-L-E aufnahm, die alle auf dem Album Today veröffentlicht wurden. Today bekam gute Kritiken, erreichte Platz vier der Country-Charts und Rang 57 der Pop-Charts. Seine letzte Aufnahmesession absolvierte Presley zuhause – und zwar im Jungle Room, der seinen Namen aufgrund seiner ungewöhnlichen Einrichtung hat. Die Jungle-Room-Sessions, die im Februar und Oktober 1976 stattfanden, brachten unter anderem Moody Blue, Hurt, Danny Boy, Blue Eyes Crying in the Rain, Way Down und Pledging My Love hervor. Veröffentlicht wurden sie auf den Alben From Elvis Presley Boulevard, Memphis Tennessee und Moody Blue. From Elvis Presley Boulevard, Memphis Tennessee kam auf Platz eins der Country-Charts, dicht gefolgt von einer Neuauflage der Sun Sessions auf Rang 2. Der Song Moody Blue erreichte Anfang 1977 Platz eins der Country-Single-Charts, Way Down folgte im Juni 1977.

Tod und Todesursache

Elvis Presley starb am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren auf seinem Anwesen Graceland in Memphis, Tennessee. Seine damalige Verlobte Ginger Alden fand ihn um 13:30 Uhr tot im Badezimmer. Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wurde der Entertainer am 18. August zunächst auf dem Forrest Hill Friedhof neben seiner Mutter beerdigt. Nachdem versucht worden war, den Leichnam des Sängers zu entwenden, erhielten die Erben eine Sondergenehmigung, Elvis und Gladys Presley Anfang Oktober 1977 im Meditationsgarten auf dem Anwesen Graceland zu bestatten.

Als offizielle Todesursache Presleys wurde im August zunächst „cardiac arrythmia due to undetermined heartbeat“ (plötzlicher Herztod, Arrhythmie) angegeben. Nach Abschluss aller Untersuchungen im Rahmen der von den Familienangehörigen privat in Auftrag gegebenen Obduktion gab das Büro des Shelby County Medical Examiner (staatlicher Leichenbeschauer) am 21. Oktober 1977 endgültig „hypertensive heart disease with coronary artery disease as a contributing factor“ als Todesursache bekannt. Mit dieser Bekanntgabe des Büros des staatlichen Leichenbeschauers waren einige Pathologen des Baptist Memorial Krankenhauses in Memphis, die weitere toxikologische Gutachten eingeholt hatten, nicht einverstanden. Sie kamen zu dem Schluss, dass Presley nicht an einer Herzerkrankung, sondern infolge von Polypragmasie (d. h. Einnahme zu vieler Medikamente) verstorben war. Die Uneinigkeit zwischen Pathologen des Baptist-Memorial-Krankenhauses und dem Team des Leichenbeschauers führte zu einem Expertenstreit und juristischen Auseinandersetzungen, die sich – befeuert von hohem Medieninteresse – über beinahe 20 Jahre hinzogen und Presleys Hausarzt in Memphis, George Nichopoulos, einschlossen.

Wegen anhaltender Gerüchte, dass das Büro des Leichenbeschauers Sachverhalte vertuscht bzw. den Totenschein gefälscht hatte, beauftragte das Gesundheitsamt des Staates Tennessee 1994 den unabhängigen Pathologen Joseph Davies mit einer offiziellen Untersuchung der Todesumstände Presleys. Davies kam nach Sichtung aller Unterlagen zu dem Urteil, dass Medikamente keine Rolle bei Presleys Tod gespielt hatten und bestätigte im Großen und Ganzen die Todesursache des Shelby County Medical Examiner von 1977. Heute gehen Ärzte davon aus, dass die schwere chronische Darmerkrankung Presleys, die auf Morbus Hirschsprung deutete und deretwegen der Entertainer schon lange in Behandlung war, mit dem plötzlichen Herztod in Zusammenhang stand.

Quelle: Wikipedia.org